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" Unser Walter Linse "

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Einfuehrung
Dokument Uebersicht
1 Alfred Ascher
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2 Alfred Ascher
3 Horst Lantzsch
4 Gilel Reiter
5 Kontakte Uebersicht
6 Linse bei der IHK
7 Ciphero Widerstand
8 Linse Nazigegner
9 Die Familie
Dank Acknowledgement
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1                             Familie Alfred Ascher (Mit Beitrag von Aschers Tochter Sonia)

 

Alfred Ascher, (geb.1910) gründete 1934 in Chemnitz am Markt ein Schuhgeschäft, “Der elegante Schuh”. Ein Jahr später heiratete er Edith, geborene Werner. Sie waren Juden. Nach der Kristallnacht, 9. November 1938, wurde das Geschäft schwer beschädigt und Alfred um fünf Uhr morgens von der Gestapo abgeholt und schliesslich mit etwa 200 Leidensgefährten in das KZ Buchenwald gebracht. (1a).

 

Verzweifelt erscheint Frau Edith Ascher bei Dr. Linse in der Handelskammer – dieser erreicht die temporäre Entlassung Alfreds aus dem KZ, weil seine Anwesenheit notwendig war für die von den Nazis angeordnete Schliessung jüdischer Geschäfte. Vereint erstanden dann die Eheleute Visa, um nach Belgien und den USA auszureisen. Sie schafften es, unter dramatischen Umständen im April 1939 nach Brüssel zu kommen und im Februar 1940 nach USA - kurz vor dem Einmarsch der Nazis in Belgien.

 

Endlich in Sicherheit in Manchester, New Hampshire, USA, beantragt Herr Ascher US Staatsbürgerschaft (1b) und Mitgliedschaft bei der Sozialversicherung (1c). Ein neues Geschäft wird gegründet und eine Tochter, Sonia, erblickt das Licht in der freien Welt.

 

Mit Hilfe der obigen öffentlichen Dokumente konnte ich 2007 Frau Sonia Ascher finden. Sie wusste keine Einzelheiten über Dr. Linses Rolle im Leben ihrer Eltern – diese hatten fast nie von der Katastrophe in Deutschland gesprochen. Sie fand aber ein detailliertes Zeitungsinterview, das ihr Vater im Jahre 1963 für die Lokalzeitung, dem Manchester Union Leader (1a) zum Anlass der Erweiterung seines neuen Geschäftes gewährt hatte. Herr Ascher berichtet über sein schlimmes Schicksal in Deutschland und auch über die Hilfe, die Dr. Linse für ihn geleistet hatte. Aber noch mehr: Alfred Ascher wird zitiert :  “Fortunately, Linse was an avowed anti-Nazi” , (Zum Glück war Linse ein überzeugter Anti-Nazi).

  

Dieses Zitat ist doppelt wichtig, weil eigentlich in dem Interview keine Notwendigkeit bestand, Linses Einstellung zu betonen. Irgendwie muss Ascher aber beeindruckt gewesen sein, und es als wichtig empfunden haben. Zum anderen, warum hat Linse seine Gesinnung durchblicken lassen? Das war eigentlich auch nicht nötig. Wollte er zeigen, dass es in Deutschland auch anständige, vernünftige Menschen gab? Vielleicht wollte er einen Zeugen haben, der ihn bestimmt später nicht denunzieren würde. Nicht zu viele Leute durften von seiner anti-Nazi Einstellung wissen – das wäre sehr gefährlich gewesen.  

Inzwischen sind Herr und Frau Ascher gestorben. Ein Nachruf (1d) und eine kleine Zeittafel über ihre Geschichte sind abschliessend beigefuegt (1e).  

 

Sie werden verstehen, dass Tochter Sonia Ascher und auch ich über all diese Erkenntnisse zu Tränen gerührt waren. Vielleicht, so meint sie, hätten es die Eltern ohne Linses Hilfe nicht geschafft. Ein ungeheuer bewegender Gedanke, der uns tief verbunden hat. Ich selbst, als Chemnitzer, DDR Flüchtling und Auswanderer kann mir Aschers Gefühl der Geborgenheit in den USA gut vorstellen.  Vielleicht haben  sie auch ein erstes Konzert in der Freiheit erlebt, wie von mir in (1f) nachempfunden.