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" Unser Walter Linse "

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English Synopsis
Einfuehrung
Dokument Uebersicht
1 Alfred Ascher
2 Alfred Ascher
3 Horst Lantzsch
4 Gilel Reiter
5 Kontakte Uebersicht
6 Linse bei der IHK
7 Ciphero Widerstand
doc 7a
doc 7b
doc 7c
doc 7d
doc 7e
doc 7f
8 Linse Nazigegner
9 Die Familie
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7                                  Antifaschistische Widerstandsgruppe Ciphero

                                                   (Linse, Mitglied Nr. 16)

 

           Die geheime Widerstandsgruppe Ciphero entstand 1943/44 und wurde von Edgar Fischer im Juni 1945 (doc 7a, 7b) beschrieben, mit Dr. Linse als Mitglied Nummer 16. Neben Fischers Dokument gibt es zwei DDR Polizeiberichte von 1951, in denen Linses Mitgliedschaft bei Ciphero angesprochen, und nicht bezweifelt wird (doc 7c, 7d). Dr. Benno Kirsch bespricht dieses Thema auch (Seiten 40 bis 42) und weist auf Korrespondenz des Antifaschistisch-Demokratischen Blocks vom Frühjahr 1946 hin (doc 7e, 7f). Darin geht es um die Entnazifizierung der Mitglieder der Widerstandsgruppen Ciphero und Arüsa, auch namentlich von Dr. Linse. Von den damaligen Zeitgenossen wird die Existenz dieser Widerstandsgruppen anerkannt und nicht in Frage gestellt.

           

         Es ist wohl selbstverständlich, dass Walter Linses IHK Akten aus der Nazi-Zeit selbst keine Einzelheiten über solche Widerstands-arbeit oder -organisationen enthalten. Wir wissen jetzt nur, dass Walter Linse, als Mitglied Nr. 16 (doc 7b) dabei war. Seine Anti-Nazi Gesinnung ist auch, unabhängig von seiner Mitgliedschaft in Ciphero, durch die Beispiele (Kapitel 1 bis 8) dieser Internetseite bezeugt.

 

           Heute verstehen viele Menschen (aber nicht alle), dass es damals für jeden, wie auchLinse, höchst gefährlich war, bewussten Widerstand gegen die Nazis zu leisten, ganz besonders, wenn es organisierter Widerstand war. Entdeckt oder verraten hätte das 1944 und 1945 zu sofortiger, standrechtlicher Hinrichtung führen können. Es ging um Leben und Tod, im wahrsten Sinne der Worte.

 

            Nach dem Zusammenbruch und in den ersten Monaten unter der sowjetischen Besatzungsmacht lebten noch viele Zeugen, die für oder wider Linse hätten aussagen können. Zwei Denunziationen sind bekannt; diese wurden untersucht und führten zu keinem Schuldspruch. Im Gegenteil, die neue Staatsmacht hat Dr. Linse anerkannt und wieder in seinem Amt eingesetzt und sogar mit der Leitung einer Kommission für die Entnazifizierung (!) anderer betraut. Ein gewichtiges Zeugniss für Linse. Hätte er sich in der Nazizeit schuldig gemacht, wie ihm heute manchmal vorgeworfen wird, wäre Linse schwerlich so bestätigt worden. 

       

Ich finde es unfair, das Ciphero-Dokument von Edgar Fischer heute als “Persilschein für die Entnazifizierung” oder "selbstdienliche retroaktive Kreation" abzuwerten, mit der Begründung, dass Ciphero nicht anderweitig bekannt gewesen sei. Die hier gezeigten Dokumente (doc 7a - f) beweisen das Gegenteil: Ciphero war bekannt und wurde ernst genommen. Mitglieder waren namentlich und mit Wohnadresse identifiziert, hätten damals also genau befragt werden können. Und ich nehme an, dass sie befragt worden sind.

 

           Nicht einmal die DDR Polizei hat sich (im Jahre 1951) zu wegwerfenden Urteilen über Ciphero hinreissen lassen (doc 7c, 7d), obwohl dies vielleicht ihren Untersuchungen gegen Linse (damals schon UfJ Mitarbeiter in West Berlin) dienlich gewesen wäre.

 

            Wenn eine solche Gruppe wie Ciphero nicht genügend bekannt war, ist nur bewiesen, dass sie geheim geblieben ist, wie sie es sein sollte. Es war zu gefährlich, Taten des Widerstandes zu dokumentieren, vielleicht um später Anerkennung zu heischen. Es war auch ehrenvoll, zum Zeitpunkt der Tat nicht an die Anerkennung zu denken. Mitglieder einer solcher Bewegung, oder auch Einzelkämpfer, verdienen, dass wir heute ihre Taten ehren, nicht schmähen. Soweit sie nicht von einem Gericht irgendwelcher Nazi-Straftaten schuldig befunden worden sind, müssen wir diese Menschen, wie auch Dr. Linse, als unsere Helden anerkennen. 


         Überzeugen Sie sich selbst - schauen Sie die folgenden Dokumente an. Vielen Dank.