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" Unser Walter Linse "

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English Synopsis
Einfuehrung
Dokument Uebersicht
1 Alfred Ascher
2 Alfred Ascher
3 Horst Lantzsch
4 Gilel Reiter
doc 4a
doc 4b
doc 4c
5 Kontakte Uebersicht
6 Linse bei der IHK
7 Ciphero Widerstand
8 Linse Nazigegner
9 Die Familie
Dank Acknowledgement
Ausgewaehlte Literatur
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4                                               Gilel Reiter wurde fünf Jahre lang von

                                                  Linse unterstützt  (siehe Benno Kirsch)

 

        Herr Dr. Benno Kirsch hat in seinem Buch (Seiten 27 bis 38, (doc 4a)) das Schicksal des jüdischen Ingenieurs und Erfinders Gilel Reiter ausführlich bechrieben. Er detailliert auch, wie sich Dr. Linse (in Zusammenarbeit mit dem Treuhänder Sieben-Hausen) zwischen 1938 und 1943 immer wieder erfolgreich eingesetzt hat, Gilel Reiter vor der Deportation zu bewahren. In den IHK Akten und Anträgen schreibt Linse immer davon, wie wichtig Reiters Erfindungen und Fachkenntnis für die Rüstungsindustrie sind. Deshalb müsse Reiter weiterhin persönlich zur Verfügung stehen.

 

         Linse und Sieben-Hausen haben auch versucht, Herrn Reiter von der Pflicht zu befreien, den Judenstern zu tragen, und ihm weitere Arbeit als Dolmetscher für russische Zwangsarbeiter zu finden. Diese Anträge wurden aber abgelehnt. In einem anderen Fall  wurde Linses helfende Empfehlung von den IHK Vorgesetzten abgeschwächt. (doc 4b).

 

          Man könnte nun annehmen, dass sich weder Gilel Reiter noch Walter Linse hätten bemühen müssen, war doch Herr Reiter durch seine Ehe mit einer arischen Frau sowieso vor Deportation und Vernichtung geschützt. Vielleicht beweist heute gar die Statistik, dass solche jüdische Männer bessere Chancen hatten, den Holocaust zu überleben, als die mit Jüdinnen verheirateten. Es wäre aber ein grober Fehler, von dieser Statistik von heute auf einen Einzelfall zwischen 1938 bis 1945  zurückzuschliessen. Zum einen war die Statistik damals nicht bekannt und zum anderen herrschte eine solche Unsicherheit in diesen Fragen, dass sich weder Reiter noch Linse auf solchen Schutz verlassen konnten. Eine Fehleinschätzung hätte den Tod bedeuten können - hier gilt das Urteil der selbst Betroffenen.

 

           Dass Linse, nach all seinen Bemühungen Reiter zu schützen, diesen Mann an die Gestapo “denunziert” haben soll, ist schlicht Unsinn. Gilel Reiter ist viel gereist, um seine Erfindungen an (Rüstungs-) Betriebe zu verkaufen. Es war zu seinem Vorteil, dass die Gestapo von diesen Reisen wusste. Vielleicht besass er gar eine Kopie von Linses Brief, mit der er sich bei Kontrollen ausweisen und rechtfertigen konnte.   

 

           Fünf Jahre lang (1938 bis 1943) ist es Herrn G. Reiter gelungen, unter schwersten und adversen Umständen, wie man sie sich heute kaum vorstellen kann, zu überleben. Jedoch er erlag am 18. Februar 1944 den Spätfolgen der Misshandlungen, die er in Buchenwald erlitten hat. Mehr dazu in meinem Gespräch mit dem Sohn Joachim Reiter (doc 4c).

 

          Während Herr Sieben-Hausen vielleicht von seiner Tätigkeit als Treuhänder materiellen Vorteil gewonnen hat, kann man das von Linse nicht feststellen. Linse hat einfach menschlich gehandelt, wo er konnte. Leider ist Herr G. Reiter während der Nazi-Hölle gestorben - trotzdem muss man Linses vieljährigen Einsatz für ihn anerkennen.