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" Unser Walter Linse "

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Einfuehrung
Dokument Uebersicht
1 Alfred Ascher
2 Alfred Ascher
3 Horst Lantzsch
doc 3a
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4 Gilel Reiter
5 Kontakte Uebersicht
6 Linse bei der IHK
7 Ciphero Widerstand
8 Linse Nazigegner
9 Die Familie
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3                                      Horst Lantzsch aus USA an Dr. Adenauer über 

                                                  Alfred Ascher und Walter Linse

 

Horst und Alfred, fast gleichaltrig, waren wahrscheinlich Schulfreunde in Chemnitz. Alfred ein Jude, Horst aber nicht – trotzdem haben sie zusammengehalten. Später, als junge Männer wollten sie in ein Lokal gehen, um ein Bier zu trinken –wurden aber von einem SA Mann gestoppt : “Juden nicht erwünscht”  -  und der Mann liess Alfred passieren und deutete auf Horst, den Arier, der aber dunklere Haare und Hautfarbe hatte... Horst war und blieb ein treuer Freund, auch in der Not, hat sich für Alfreds Entlassung aus dem KZ eingesetzt und hat die beiden Aschers auf ihrer Flucht bis an die belgische Grenze begleitet (3a).

 

Alfred Ascher und seine Frau Edith lebten schon zehn Jahre in Manchester, NH in den USA, als Horst Lantzsch 1951 mit Frau und Tochter erst nach Westdeutschland, dann nach USA auswandern wollte. (3b) Natürlich halfen Aschers den guten Freunden mit Unterkunft und Starthilfe in Manchester. Tochter Sonia Ascher erinnert sich an diese Zeit.

 

Offenbar erfuhren Ascher und Lantzsch ein Jahr später durch die amerikanische Presse (3c) von Dr. Linses Entführung durch die DDR/UdSSR Geheimdienste, und sahen ihn in Not – ähnlich wie Herr Ascher 13 Jahre vorher in Not war. Um Linse zu helfen, schrieb Herr Lantzsch am 29. Oktober 1952 an Bundeskanzler Dr. Adenauer. Dieser liess einen Auszug des Briefes an den Untersuchungs-ausschuss freiheitlicher Juristen in Westberlin, Linses letzte Arbeitsstelle, weiterleiten (Auszug und Begleitschreiben 3d,e).    

 

Herr Lantzsch schreibt: “… Mit Unterstützung von Herrn Dr. Linse, der sich unter Aufopferung seiner Existenz massgebend dafür einsetzte, war es möglich, meinen Freund Ascher aus dem KZ-Lager herauszuholen. Herr Dr. Linse war damals Mitarbeiter der Handelskammer Chemnitz. Ein Mensch mit einer solch anständigen Gesinnung gehört nicht ins Gefängnis…..”*

 

Manche mögen heute denken, dass, rückblickend, Linses Existenz in der Nazi-Zeit aus einem oder anderen Grund nicht gefährdet war. Ich denke jedoch, dass sich damals niemand, auch nicht Dr. Linse, sicher fühlen konnte. Es gab so viele Eiferer, besonders in Chemnitz, so viele widersprüchliche Anordnungen, dass man nicht wissen konnte, wie irgendwelche Handlungen schliesslich ausgelegt würden. Benno Kirsch weist in seinem Buch mehrfach auf Dokumente hin, in denen die Nazi-Loyalität der IHK oder einzelner Mitarbeiter in Frage gestellt wird. Das waren in dieser Zeit gefährliche Andeutungen. Vielleicht muss man selbst einmal in einem totalitären Staat gelebt haben, um das zu verstehen.

 

Ich vertraue dem Urteil von Horst Lantzsch, der Aschers ein treuer Freund war, und ein Zeitzeuge: Linse war ein anständiger Mensch.                               

 

 

*Auch dieses Charakterzeugniss fuer Linse wird  schon bei Mampel und Kirsch beschrieben.