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" Unser Walter Linse "

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8a                                                    War Dr. Linse ein Nazi?

 

Wussten Sie, dass eine NSDAP "Mitgliedskarte" von Dr. Walter Linse gar nicht existiert ?   

Was im Bundesarchiv gefunden wurde, ist seine "NSDAP GAU-Karteikarte", nicht eine "Mitgliedskarte". Und der Unterschied zwischen diesen beiden - hinsichtlich der Mitgliedschaft - ist wie Tag und Nacht. Lesen Sie nur weiter, es wird interessant, denn Linse hat stets verneint, Mitglied der NSDAP gewesen zu sein und auch  begründet, warum das so ist.

 

Aber, immer noch benutzen Historiker und Politiker diese Karte, um ihn als  "Nazi" abzustemplen. Und einmal Nazi, war er nicht automatisch Antisemit und damit ein Täter? Bitte, nicht so schnell, denn wer Linse anklagen und verurteilen will, braucht Beweise. Ohne diese ist Linse nicht schuldig.

 

Betrachten wir doch zu Anfang einmal diese "Gau-Karteikarte", hier in einer Nachbildung gezeigt.




Wenn jemand Aufnahme in die NSDAP beantragt, muss er einen Antrag  persönlich unterschreiben . Die Partei prüft sodann die Erfüllung "gewisser" Voraussetzungen, legt eine Gau-Karteikarte an und "nimmt" den Antragsteller "auf " (Datumstempel auf der GAU-Karteikarte). Erst dann werden für den Bewerber Mitgliedskarte und/oder Parteibuch erstellt - und selbst dieser Schritt beweist noch nicht die Mitgliedschaft.   Warum nicht?

 

Weil Mitgliedschaft in der NSDAP (nach deren genauen Regeln) erst beginnt mit der Übergabe dieser Mitgliedskarte und/oder des Parteibuches an den Antragsteller persönlich, meist bei einem festlichen oder offiziellen Anlass. Genau zu diesem Punkt schreibt die Geschäftsstelle der LDP  (Chemnitz, 1945/46)  etwa so: … aufgrund Druck von seinen Vorgesetzten habe er [Linse] einen Antrag auf Aufnahme in die Partei gestellt  …  dabei sei es aber geblieben, denn er habe es immer in geschickter Weise vermeiden können, dass er ein Mitgliedsbuch bekam. Somit habe seine Mitgliedschaft nie begonnen und somit sei er kein Mitglied der NSDAP geworden.

 

Diese Schritte zum Beginn der Mitgliedschaft in der NSDAP findet man vielfach anderweitig bestätigt. Weiter wird erklärt, dass viele der ursprünglichen Antragsformulare verloren gegangen sind - dass man aber der bürokratischen Genauigkeit der NSDAP Stellen vertrauen solle, denn unvollständige (z.B. nicht unterschriebene) Anträge seien tatsächlich nicht bearbeitet worden. Obwohl  Dr. Linses Antrag nicht gefunden worden ist, sei es also höchst wahrscheinlich, dass ein von ihm unterschriebener Antrag vorlag. Dessen Existenz hat Linse sogar selbst bestätigt - allerdings sei er "unter Druck" entstanden. Selbige Quellen räumen auch verschiedene Möglichkeiten ein, die seinen Umstand, also keine Übergabe der Dokumente, erklären können, und dass ohne Übergabe die Mitgliedschaft nicht beginnt.

 

In der Frage, ob Dr. Linse nun Mitglied der NSDAP geworden ist, geht es also weder um den Antrag, noch um die GAU-Karteikarte, sondern um die Übergabe einer Mitgliedskarte (oder des Parteibuches) an Linse. Letzteres fand eben nicht statt, wie Linse selbst - nach dem Zusammenbruch - ausgesagt hat. Er war also NICHT Mitglied, wie mehrfach von anderen bestätigt und von verschiedenen zeitgenössischen Stellen und den kommunistischen Machthabern akzeptiert wurde.

 

Man könnte überlegen, wie Linse wohl die Übergabe eines solchen Dokumentes vermieden hat, ohne eine Konfrontation zu riskieren. Wäre es doch höchst verdächtig erschienen, wenn er sich einfach nachträglich gegen Mitgliedschaft entschieden hätte. Ein kurzer Blick auf die GAU-Karteikarte (s. oben) deutet aber eine Möglichkeit an, die Linse vielleicht benutzt hat: Sein Vorname Walter ist FALSCH geschrieben, nämlich mit "h", Walther. Dieser kleine Fehler war vielleicht seine Rettung aus der heiklen Situation: "... entschuldigen Sie bitte, Herr Kreishauptamtsleiter, aber diesen Ausweis kann ich [Linse] nicht annehmen ...  Warum nicht? ... Würden Sie ein so wichtiges Dokument akzeptieren, in dem IHR Name falsch geschrieben ist? ... Natürlich nicht ..."


Angenommen, dass das überflüssige "h" vielleicht gar schon in dem Antrag enthalten war (ein Tippfehler), sieht man was passieren kann: Niemand will den Fehler eingestehen, niemand ist berechtigt, eigenmächtig einen Namen zu ändern ... usw ...  Zeit verfliesst und der ganze Antrag wird vergessen. Nun kann Linse, wenn um seine Parteimitgliedschaft befragt, mit der Wahrheit antworten: "... ja, ich habe einen Antrag gestellt ..." und fast jedermann wird damit zufrieden sein. Natürlich ist das kein Beweis - aber, wie uns der gesunde Menschenverstand lehrt - so könnte es gewesen sein.

 

Eine weitere Unstimmigkeit auf der GAU-Karteikarte von 1940 gibt zu denken, denn Linse heiratet zwei Jahre später in Chemnitz und zieht mit seiner Frau in eine erste neue Wohnung (Germaniastrasse 3), später in eine zweite (Ulmenstrasse 59). Weder der neue Ehestand, noch die neuen Adressen sind eingetragen, obwohl doch gerade für solche Aktualisierungen auf der Karte viel Platz bereitgestellt ist, und obwohl die Partei-Bürokratie für peinliche Genauigkeit bekannt ist. Sogar die gesamte Rückseite der Karte ist reserviert für monatliche Meldungen und Änderungen - auch da findet man NICHTS. Die fehlenden Einträge sind ein weiterer Hinweis, dass Linse richtig ausgesagt hatte: Er ist nie Mitglied geworden. Also wurde die GAU-Karteikarte nie aktualisiert. Somit ist die GAU-Karteikarte eher ein Hinweis für die Richtigkeit Linse's eigener Aussage er sei kein NSDAP Mitglied geworden, als für gegenteilige Behauptungen.

 

Jemand mag darauf hinweisen, dass die NSDAP eine Mitgliedschaft aberkennen kann z.B. wegen mangeldem Interesse des Mitgliedes oder ähnlichen Umständen oder Vergehen. Im Fall Linse aber: Kein Ausschluss. Beweist das Mitgliedschaft? Nein, denn wieso sollte jemand ausgeschlossen werden, der gar nicht Mitglied geworden ist?


Um Linse's Mitgliedschaft zu beweisen, müsste der Kläger einen Zeugen finden, (oder ein entsprechenden zeitgenössischen Bericht) der bestätigt, die Übergabe der Mitgliedskarte persönlich gesehen zu haben, und der einige Personen nennt, die auch dabei waren. Diese Forderung ist berechtigt, denn der Widerspruch zu Linse's Erklärungen ist gleichbedeutent mit der Anklage wegen Meineides - einer sehr schweren Belastung, besonders im  damaligen Umfeld der zügig durchgeführten Entnazifizierungen. Wer dabei lügt, riskiert harte Strafen.

  

Denunziationen

 

Schon 1945 hat Linse  selbst eingeräumt, dass seine Kritiker der juristischen Logik, die er vertritt, eventuell nicht folgen möchten. Sie könnten seinen Antrag auf Mitgliedschaft als eine freie Willensäusserung verstehen, die für sie gleichbedeutent mit Mitgliedschaft selbst erscheint. Linse hingegen sah sich unter Druck von seinen Vorgesetzen, doch endlich (1940) der führenden Partei beizutreten. Demnach war der Antrag nicht sein freier Wille gewesen. Obendrein verweist Linse auf die genauen Regeln der Partei.  


Trotz des Antrages, den Linse nicht verschwiegen hat, haben die neuen Machthaber in Chemnitz, Sowjets (SMAD) und Deutsche Kommunisten, 1945/46 seine Erklärungen akzeptiert, und ihn vollkommen entlastet. Vielleicht haben seine Mitgliedschaft in einer Widerstandsgruppe und positive Aussagen mehrerer Chemnitzer Bürger zu der Entscheidung beigetragen. Mehr dazu weiter unten. Aber, von anderer Seite kamen Beschwerden (3):

 

Ein Denunziant, Herr F., klagt 1945 bei der KPD, dass Linse ein Nazi gewesen sei, das Parteiabzeichen getragen habe, usw. Die Beschwerde wurde durch die Kriminalpoizei untersucht aber abgewiesen, vielleicht als Hören-Sagen und wegen offenbarer Vorurteile des Beschwerdeführers gegen "die Herren Akademiker" und Verwaltungsangestellte.

 

Eine Dame, Frau S., fragt 1948 beim Oberbürgermeister (Max Müller, SED) an, wann Linse gemäss Paragraph 201 entnazifiziert werde, denn er habe bei der "Entjudung", in der Rüstung, und anderweitig eine grosse Rolle gespielt usw. Nur wenige Tage später füllt Linse einen Fragebogen (4) aus, in dem er angibt, nicht Mitglied der NSDAP gewesen zu sein, was sich mit seinen früheren Aussagen von 1945 deckt. Offenbar hat diese Antwort den Herrn Oberbürgermeister zufriedengestellt, sodass das Verfahren beendet war oder "im Sande verlief".

 

Linse's Auslegung, seine NSDAP Mitgliedschaft habe nie begonnen, hat also auch gegen direkte Denunziationen durch Zeitgenossen in der damaligen Gegenwart  standgehalten.  

 

All dies zeigt, dass Linse's Angaben und Begründung, er sei nicht Mitglied der NSDAP geworden, zunächst einmal von den Machthabern akzeptiert wurden. Dabei ist auch bemerkenswert, dass diese Entscheidung zu Linse's Gunsten von Kommunisten getroffen wurde, obwohl er zur nicht-kommunistischen LDP gehörte. Als aber seine Partei im Antifaschistisch-Demokratischen Block zunehmend unter kommunistische Führung geriet, verliess er noch 1945 die LPD wieder. Offensichtlich für jedermann war Linse also bei weitem kein Sympathisant sondern eher ein Gegner der Kommunisten. Für diese Grund genug, Linse abzusetzen, los zu werden, hätten sie auch nur einen Hauch von Nationalsozialismus an ihm gespürt. Aber, da war nichts. Im Gegenteil, es gab genügend Zeichen dafür, dass er auch ein Gegner der Nazis war. Lassen wir doch diese Zeichen noch einmal an uns vorbeilaufen.



                                                     Fortgesetzt       Bitte oben links klicken, für     doc 8 b