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" Unser Walter Linse "

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1 Alfred Ascher
2 Alfred Ascher
3 Horst Lantzsch
4 Gilel Reiter
5 Kontakte Uebersicht
6 Linse bei der IHK
7 Ciphero Widerstand
8 Linse Nazigegner
doc 8a
doc 8b
doc 8 c
9 Die Familie
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8                                War Linse ein Nazi?  Urteile seiner Zeitgenossen


Nach Linses eigenen Aussagen habe er, unter Druck seiner IHK Vorgesetzten, einen Antrag für NSDAP Mitgliedschaft eingereicht. Jedoch sei er niemals Mitglied geworden, weil er es immer vermeiden konnte, das Mitgliedsbuch ausgehändigt zu bekommen. Nach NSDAP Regeln aber beginnt die Mitgliedschaft erst mit der Übergabe des Mitgliedsbuches und/oder der Mitgliedskarte, und nicht vorher. 


Er leugnet nicht, den Antrag gestellt zu haben - und  räumt aber ein, dass jemand anderes, der die NSDAP Regeln nicht kennt oder nicht akzeptiert, den Antrag selbst mit Mitgliedschaft gleichsetzen könnte. Man darf annehmen, dass Linse die Regeln der NSDAP kannte, auch das Prinzip der Freiwilligkeit (s. Lingg) - ein Antragsteller sollte  nicht "unter Druck" handeln müssen. Linse fühlte sich unter Druck und mag auch deshalb den Antrag als nichtig und nicht massgeblich betrachtet haben. Auf keinen Fall war der Antrag für ihn eine "Freie Willens-äusserung".

 

Eine NSDAP "Mitgliedskarte", die verschiedentlich erwähnt wird, existiert NICHT. Was im Bundesarchiv gefunden wurde, ist ein "Gau-Karteikarte" - diese wiederum beweist Mitgliedschaft NICHT. Diese Karte enthält einen Fehler und ist unvollständig und nicht aktualisiert.  Dadurch ist sie ein höchst fragwürdiges Dokument. Es ist eine vieldiskutierte Frage -- eine genaue Analyse und Besprechung, auch eine Abschrift der Gau-Karteikarte befindet sich hier, in (doc 8a).

 

In dieser Sache folge ich Linses eigener Aussage, die 1945 auch von seinen Zeitgenossen, den Sowjets und den Kommunisten unterstützt wird: Linse war NICHT Mitglied der NSDAP . Hierbei widerspreche ich meinem guten Bekannten Dr. Benno Kirsch - und weise seine Feststellung als unbewiesen zurück.


Hier nur eine Zusammenfassung, im Telegrammstil

 

1940 Eine NSDAP Gau-Karteikarte existiert. Sie ist aber kein Beweis für Mitgliedschaft.  Siehe Fakten, Fragen und Unstimmigkeiten (doc 8a , 8b, 8c)

 

1942 eine Mitarbeiterin berichtete, dass Dr. Linse in der Handelskammer stets Anzug und Krawatte trug - während dort sonst jedermann in Partei-Uniform erschien. Ein Zeichen seiner Abneigung. (Siehe Kapitel 6)

 

1944 Mitglied bei der Widerstandsgruppe Ciphero, Wie hier in Kapitel 7 detailliert.

 

1945 Sowjetische Besatzer und deutsche Kommunisten ernennen Linse zum Bezirkssonderausschuss zur Bereinigung des Berufsstandes der Wirtschaftsprüfer, vereidigten Buchprüfer und Wirtschaftsberater bei der IHK Chemnitz (Dienst in einer Entnazifizierungs-Kommission) *

 

1945 Sowjetische Besatzer setzen Linse wieder bei der IHK ein*, später als Geschäftsführer. Diese Ernennung ist  undenkbar wäre Linse als Nazi, Nazitäter oder Antisemit bekannt gewesen. Siehe (doc 8a) 

 

1945, September, eine Denunziation von Herrn F.Linse sei Mitglied in der NSDAP gewesen und habe das Parteiabzeichen am Revers getragen. KPD und Kriminalpolizei untersuchen den Fall. Es erfolgt keine Aktion gegen Linse. Offenbar hatte der Beschwerde-Bringer Vorurteile “gegen die Herren Akademiker…” (doc 8a)

 

1946, 28. Februar, eine Aussage an den Antifaschistisch-Demokratischen Block: " In der NSDAP, SA oder einer anderen Formation war er nicht. Betätigt oder hervorgetan hat er sich nicht. Er war ein Gegner des Nazi-Systems ..... *

 

1946, Geschäftsstelle der LDP, Chemnitz * :  Herr Dr. Linse hat sich nach eigenen Angaben seinerzeit und auf ausdrücklichen Druck des damaligen Präsidenten der IHK Chemnitz, Herr Schöne, zur NSDAP als Mitglied angemeldet; es soll aber bei dieser Anmeldung verblieben sein, und, behauptet Dr. Linse, es in geschickter Weise stets abgebogen zu haben, dass er ein Mitgliedsbuch ausgehändigt erhielt. Mithin betrachtet sich derselbe nicht als zur NSDAP gehörend.[....] Nach unseren Informationen ist aber Dr. Linse immer ein Gegner der Nazi-Ideologie gewesen, was wir besonders hervorheben möchten.*

 

1948, Februar, Beschwerde an den Oberbürgermeister* : "Wann wird Herr Walter Linse, Ulmenstr., entnazifiziert?" ….   Linse wird zur Rede gestellt und füllt einen Fragebogen der Kreis - Entnazifiziierungs -Kommission Chemnitz-Stadt aus. Darin verneint er, Mitglied bei der NSDAP gewesen zu sein.*

 

1949 Walter und Helga Linse fliehen nach West-Berlin. Ein Jahr später wird Linse beim Untersuchungsausschuss freiheitlicher Juristen (UfJ) eingestellt. Keine Andeutung irgendwelchen schuldhaften Verhaltens in der Nazi-Zeit.


1950 Brief von Herrn B* (ein Bekannter von Linse) an den UfJ. Lobt Linse's Hilfe während B's Inhaftierung bei der Gestapo. Er bestätigt Linse's Mitgliedschaft in einer Widerstandsgruppe. 

 

1951 Zwei Berichte der DDR Polizei über Linse und Kontakt-Personen. Beide Berichte sprechen von Linse's Mitgliedschaft bei der Anti-Nazi Gruppe Ciphero. Darin werden Existenz oder Wirkung dieser Gruppe nicht angezweifelt, obwohl dies in den Ermittlungen gegen Linse dienlich gewesen sein könnte.  (doc 7c und 7d)

 

1952 Dr. Walter Linse gewaltsam aus West-Berlin entführt. Der Überfall war weltweit bekannt (siehe Kapitel 3  doc 3 c). Es gab jedoch keine Proteste gegen ihn wegen seiner Tätigkeit bei der "Entjudung der Deutschen Wirtschaft", obwohl eine beträchtliche Anzahl der Opfer im Ausland Fuss gefasst hatte, und Erinnerungen noch frisch waren. Im Gegenteil, es kam eine positive Bewertung (siehe nächstes Zeugnis).

 

1952 Horst Lantzsch: (siehe Kapitel 3, doc 3d, 3e,  zu diesem Thema)

 “…Dr. Linse, der sich …massgebend dafür einsetzte, war es möglich, meinen Freund Ascher aus dem KZ-Lager herauszuholen....”)

 

1952 Beim UFJ ist Linse massgeblich bei der Planung eines ersten Internationalen Juristen-Kongresses beteiligt, der die Rechtslage in der DDR/SBZ beleuchten soll. Daraus entsteht die International Commission of Jurists, die sich mit Menschenrechten, Recht und Gerechtigkeit befasst und immer noch besteht. Es ist undenkbar dass Linse ein Naziverbrecher war und dann solch eine öffentliche internationale Rolle ausüben konnte. Die Wunden vom Naziterror waren damals noch frisch. Wirklich schuldig wäre er damals erkannt und angeklagt worden. (siehe doc 8a)


1955  Herr Heiland * berichtet über seine Haft Im Gefängnis Karlshorst, 1953. Er teilte dort eine Zelle  mit Walter Linse und erinnert sich, dass Linse erklärte, er hätte dem National-

sozialismus ablehnend gegenüber gestanden. (Kapitel 8, doc 8b)


1963, 6. Februar, Alfred Ascher: (Kapitel 1, doc 1a,) in einem Zeitungs-Interview:

                     “Fortunately, Linse was an avowed anti-Nazi

(Zum Glück war Linse ein überzeugter Nazi-Gegner)

Aschers' Tochter, Frau Sonia Ascher, hat den Artikel gefunden und uns zugeschickt.

 

 

 

Welche Zeugnisse wiegen am schwersten?

Bitte urteilen  Sie selbst:  

War Linse  Nazi oder Nazi-Gegner ?

 

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* Die meisten der Berichte über den Zeitraum 1945 bis 1948 werden in Dr. B. Kirsch, "Walter Linse 1903 – 1953 – 1996"  (Seiten 38 bis 43) diskutiert und belegt. (Zitat Teile dick gedruckt hervorgehoben von P. Seifert)