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" Unser Walter Linse "

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1 Alfred Ascher
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2 Alfred Ascher
3 Horst Lantzsch
4 Gilel Reiter
5 Kontakte Uebersicht
6 Linse bei der IHK
7 Ciphero Widerstand
8 Linse Nazigegner
9 Die Familie
Dank Acknowledgement
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1f                                         Traum oder Wirklichkeit?  (Nachempfunden)

(Diese Seite gehoert nicht zur sachlichen Auseinandersetzung ueber Linses Rolle bei der IHK waehrend der Nazizeit. Es ist eine Szene, die ich als Immigrant  in die USA gut nachempfinden kann.)

 

Die Szene:

1940 oder 1941, bei Manchester, New Hampshire, USA.

Ein Konzert im Freien, ein sonniger, lauer Abend. Am Memorial Day, Independence Day oder war es Labor Day ?    A und  E aus Chemnitz  sitzen dicht nebeneinander auf einer Wiese. Arme gegenseitig um die Schultern gelegt. Köpfe einander zugeneigt. Sie sind jung, um die dreissig.

 

Zuerst die Amerikanische Nationalhymne. Alle stehen auf, Blick auf die Fahne mit den dreizehn Streifen und achtundvierzig Sternen.... "Oh say can you see, through the perilous night .....und schliesslich das Ende .... Oh, long may it wave, over the  land of the free...  and the home of the brave." Sie kennen die Worte noch nicht, wohl aber die Melodie. Dann Beethoven, fünfte Symphonie, nur der erste Satz...

 

Sie wispern zueinander. Viele Pausen. Deutsch. Man erkennt ihren sächsischen Dialekt. Deutlich.

 

E         Dass wir das jetzt hören dürfen.

            ... Pause

            Hier, in Sicherheit.

 

A         Und in Deutschland ist es verboten. So ein Unsinn. Ich darf gar nicht dran denken. Nach der Kristallnacht, November 38,  Buchenwald ... es war die Hölle...  die Schreie der Geprügelten... das Orchester musste spielen... ich höre es heute noch ... es war die Hölle...

 

A         ... unser schönes, neues Schuhgeschäft am Markt ...   alles kaputt ....

 

E         Du musst es irgendwie begraben.

 

E         Denk doch mal als Du mit dem Horst in diese Kneipe gehen wolltest - und der SA-Mann liess Dich hinein, nicht aber Horst: "Der sieht aus wie ein Jude" - obwohl er doch katholisch war, aber er hatte einen dunkleren Teint. Alles war so verrückt - nicht Deine Schuld ...

 

A         Nur noch raus aus diesem Deutschland, oder gleich sterben. Alles was ich denken konnte. Nach dem KZ  immer wieder zur Polizei, ... diese überheblichen Gestapo - Schnösel. Da ... man kam sich vor, wie Dreck.

             .... Pause...

 

E         Liebling, denk nicht dran.     

 

E         Es haben uns auch manche geholfen. Ohne die .... wer weiss ...  Der Horst, der war ein richtiger Freund. Der hat zu uns gehalten, in der Not - er hätte es nicht zu tun brauchen...  Weisst Du noch, die Fahrt an die Grenze... Er ist dabei geblieben... Ohne ihn, und den belgischen Anwalt ... Oh Gott... April , nur ein Jahr ists her.


            ... Pause... sie nimmt die Hände vor die Augen

 

E         Und dieser Linse, bei der IHK, der wusste, wen man anrufen musste, und nach ein paar Tagen warst Du aus Buchenwald raus.

 

E         Dann das mit dem Geld vom Sperrkonto. Wieder der Linse. Der wusste, wie man da ran konnte. Als Unterstützung für Deine Eltern. Auch ratenweise - da muss ich jetzt fast lachen. Und er wusste, dass sie beide schon tot waren ... hat es trotzdem befürwortet ... sehr riskant ... wenn das rausgekommen wäre....

 

A         und er hat es uns zukommen lassen. Aufs Konto bei Commerzbank. Ja, dieser Linse. Du hast schon recht ... Niemand in Brüssel hatte Geld. So viele Flüchtlinge. Borgen. Betteln. Vertrösten. Bitten. Fast ein ganzes Jahr.

 

A         Mit dem Geld, ich denke ja, da muss auch noch jemand mitgemacht haben, in Chemnitz, beim Gewerbeamt. Denn die waren ja eigentlich zuständig für unser Geschäft ...  Denk doch mal, direkt vor der Nase von diesem Schmidt. Dem Bürgermeister. Supernazi. Judenhasser... Wirklich gefährlich für jeden, der uns geholfen hat. Hast Du eine Ahnung, wer das hätte sein können?  

 

A         ...und in In Brüssel immer weiter Gefahr. Bis wir auf der Westerland standen ....durch die Hadassah ... Februar 1940.  Nur zwei, drei Monate später, und die Nazis hätten uns wieder erwischt ... 

 

A         Weisst Du noch - die Freiheitsstatue ... New York ... eine Erlösung

 

E         Siehst Du, fühlst Dich schon besser.

 

E         Musst ans Positive denken ....  Jetzt sind wir in Sicherheit.

 

A         Hast auch recht ... So ein schöner Tag.

 

A         Schon fünf Jahre verheiratet ... Weisst Du noch, die Hochzeit? Siegmar. ... Meine Mutter lebte da noch ... 

            

            (Pause) 

 

A         Endlich Sicherheit. Eigentlich könnten wir jetzt an ein Baby denken... haben so lange warten müssen ...

 

            (Pause .  Sie lehnt sich ein bisschen mehr an ihn an.)

 

E         ...  Du, ich glaub', es ist schon was unterwegs ...