Skip to main content

" Unser Walter Linse "

Home
English Synopsis
Einfuehrung
Dokument Uebersicht
1 Alfred Ascher
2 Alfred Ascher
3 Horst Lantzsch
4 Gilel Reiter
5 Kontakte Uebersicht
6 Linse bei der IHK
doc 6a Meichsner Moda
doc 6b Sam. Nussberg
doc 6c Heumann
doc 6d1 Malepartus Cohn
doc 6e1 Preco
doc 6h Liwerant
doc 6i Oswald
doc 6k Unitas
doc 6L Jan. Nussberg
doc 6m Sekretaerin
doc 6n Linse 1945
doc 6o ICJ
doc 6p NSDAP ?
7 Ciphero Widerstand
8 Linse Nazigegner
9 Die Familie
Dank Acknowledgement
Ausgewaehlte Literatur
Contact Us
About Us
Site Map

6p                                    Die NSDAP Karteikarte                                   


 

           Es existiert eine NSDAP Gau-Kartei-Karte für "Walther" Linse, von 1940, mit der Mitgliedsnummer 8336675. Diese Karte trägt keine Unterschrift und Linses Vorname ist falsch geschrieben. ("th" in Walther ist falsch). In ungekürzter Form wäre sein Vorname "Walter Erich". Wohnadresse (im Jahr 1940) und Geburtsdatum sind jedoch richtig . Die Gau-Karteikarte ist NICHT dasselbe wie die Mitgliedskarte.

 

           Eine Gau-Karteikarte wurde nur aufgrund eines eigenhändig unterschriebenen Antrages ausgestellt. Anträge ohne Unterschrift wurden generell zurückgewiesen und nicht bearbeitet. "Bis zu zwei Jahre konnten zwischen Aufnahmeantrag und der Aushändigung der Mitgliedskarte beziehungsweise des Mitgliedsbuches vergehen, erst dadurch wurde die Mitgliedschaft rechtskräftig." Auch das Bundesarchiv, welches mir eine Kopie der Gau-Karteikarte zugestellt hatte, bestätigt diese Verfahrensregeln bezüglich des Antrages, der Mitgliedskarte, und des Beginns der Mitgliedschaft.

 

           Genau mit diesem Punkt begründet Linse nach dem Krieg, dass er NICHT Mitglied gewesen sei: Er habe zwar unter Druck durch seine Vorgesetzten einen Antrag gestellt, es aber immer wieder vermeiden können, ein Mitgliedsbuch ausgehändigt zu bekommen. (Siehe Kirsch, Seite 42 43,  oder  Stadt-Archiv Chemnitz, Antifa-Block Sign 65, Blatt 102, 106). Somit habe seine Mitgliedschaft nie begonnen. Da Linse relativ spät (August 1940) und unter Druck (also im Widerspruch zu dem Partei-Prinzip der Freiwilligkeit) Mitgliedschaft beantragt hat, erscheint seine Erklärung logisch und nachvollziehbar.  Wer dennoch behauptet, Linse sei NSDAP Mitglied gewesen, müsste bezeugen, die Aushändigung der Mitgliedskarte gesehen zu haben.  

 

           Es fällt auch auf, dass Adresse (Uferstrasse 4) und Ehestand auf der Karteikarte nicht geändert wurden, als Linse 1942 heiratete und in die Germaniastrasse, später in die Ulmenstrasse, umzog. Wie man auf der Abschrift der Gau-Karteikarte (weiter unten) sieht, ist doch gerade für soche Einträge viel Platz reserviert, und wird doch die Genauigkeit dieser Mitgliedschafts-Administration auch noch heute anerkannt (siehe auch Wikipedia NSDAP Mitgliedschaft).

 

            Weiterhin muss man annehmen, dass der Name im für Linse bestimmten Parteibuch identisch war mit dem auf der Gau-Karteikarte, also Vorname FALSCH geschrieben (Wieso sollte er anders sein?). In diesem Fall hätte Linse formell richtig gehandelt, die Annahme des Mitgliedsbuches zu verweigern. Kam ihm der Fehler zu Hilfe? Hat er gar seinen Namen auf dem Antragsformular absichtlich selbst falsch angegeben, oder den Fehler nicht korrigieren lassen, um einen Grund zu schaffen, den Beginn der Mitgliedschaft zu vermeiden oder zu verzögern? Dafür habe ich zwar keine Belege, jedoch ist die Anhäufung der verschiedenen Unstimmigkeiten und Fragen bemerkenswert, gerade im Licht der Genauigkeit, mit der sonst die persönlichen Daten in der Partei gehandhabt wurden.


                Linse war sich bewusst, und hat diese Frage im Sommer 1945 offen angesprochen, dass sein Antrag auf Mitgliedschaft von anderen als eine freie Willensäusserung gedeutet werden könnte, dass er der NSDAP beitreten wollte. Für manche, vielleicht in Unkenntnis der Regeln der NSDAP,  könnten Antrag und Mitgliedschaft gleichbedeutent sein. 

 

          So zeigt auch diese Untersuchung, dass es durchaus gerechtfertigt ist, Linses Mitgliedschaft in der Nazi-Partei stark zu bezweifeln. Ich sehe genügend Gründe, Linses eigene Erklärungen - zu akzeptieren. Weitere Einzelheiten (Fragebögen, Definitionen) werden im Kapitel 8 diskutiert; diese scheinen meine Ansicht zu unterstützen.

 

Abschrift der Gau Karteikarte (Orginal:  Deutsches Bundesarchiv, Berlin)



 


 

Abbildung eines Parteibuches - also der Art, wie es Linse nie übergeben wurde (Von Wikipedia, NSDAP Mitgliedschaft)